Aufgabe: Lies, was eine Parabel ist und worum es in der berühmten Ringparabel geht. Bringe danach die Handlung in die richtige Reihenfolge.
Eine Parabel ist ein abgeschlossener Kurztext, der meist von einem Erzähler innerhalb einer Geschichte weitergegeben wird. Sie soll eine verborgene Wahrheit oder eine Lebensweisheit veranschaulichen. Um das zu erreichen, überträgt sie das eigentliche Thema in einen ganz anderen Zusammenhang. Die berühmteste Parabel der deutschen Literatur ist die Ringparabel aus Lessings Drama „Nathan der Weise" (1779).
Der Sultan Saladin fragt den jüdischen Kaufmann Nathan, welche Religion die wahre sei. Nathan antwortet nicht direkt, sondern erzählt eine Parabel: Ein Vater besitzt einen wertvollen Ring, der demjenigen, der ihn trägt, Glück und Ansehen schenkt. Weil er alle drei Söhne gleich liebt, lässt er heimlich zwei weitere Ringe anfertigen, die dem echten zum Verwechseln ähnlich sehen. Nach seinem Tod streiten die Söhne vor einem Richter, wer den echten Ring besitzt – doch der Richter kann die Ringe nicht unterscheiden. Sein Rat: Jeder solle so leben, als sei sein Ring der echte; die Kraft des richtigen Rings werde sich erst in der Zukunft zeigen, durch ein gutes Leben. Die drei Ringe stehen für die drei großen Religionen Judentum, Christentum und Islam – keine kann beweisen, dass sie allein die wahre ist. Saladin versteht die Botschaft und schließt Freundschaft mit Nathan.
Wörter: Sultan = muslimischer Herrschertitel · veranschaulichen = an einem Beispiel deutlich machen · Ansehen = guter Ruf
Die Ringparabel sagt: Keine Religion kann beweisen, dass sie allein die richtige ist. Schreibe 3–4 Sätze: Findest du diese Botschaft heute noch wichtig? Warum (nicht)?