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🌸 Liebe in Versen: „Under der linden"

Heute arbeitest du wie eine Literaturwissenschaftlerin / ein Literaturwissenschaftler. Du liest ein 800 Jahre altes Liebeslied, lernst die Reimschemata kennen, entdeckst sprachliche Mittel und vergleichst mit einem echten Gedicht von Heinrich Heine. 💚

📖 Walther von der Vogelweide: „Under der linden"

Dieses Lied gehört zu den berühmtesten des ganzen Mittelalters – und es ist vor allem eines: ein Liebesgedicht. Das Besondere: Es wird aus der Sicht einer jungen Frau gesungen, die sich heimlich mit ihrem Geliebten unter einer Linde getroffen hat. Glücklich und ein wenig verlegen erinnert sie sich an diesen Nachmittag.

tandaradî!
Die Linde war schon damals der Baum der Liebenden, die Nachtigall ihr heimlicher Zeuge. „Tandaradî" ahmt ihren Gesang nach.

Mittelhochdeutsch (Anfang):
„Under der linden / an der heide, / dâ unser zweier bette was, / dâ muget ir vinden / schône beide / gebrochen bluomen unde gras. / Vor dem walde in einem tal, / tandaradî, / schône sanc diu nahtegal."

Heutiges Deutsch (sinngemäß):
„Unter der Linde, auf der Heide, war unser Bett. Dort könnt ihr Blumen und Gras schön gepflückt sehen. Vor dem Wald, in einem Tal, tandaradî, sang schön die Nachtigall."

Wörter: heide = Wiese · bluomen = Blumen · nahtegal = Nachtigall · tandaradî = Klangwort für den Vogelgesang (ein Refrain)

🎼 Kurz erklärt: das Reimschema

Wenn sich am Ende von Verszeilen Wörter reimen, kann man das mit Buchstaben aufschreiben: Zeilen, die sich reimen, bekommen denselben Buchstaben. So entstehen die drei klassischen Reimschemata:

🎯 Aufgabe 1: Erkenne das Reimschema

Lies jede Strophe (die Zeilen sind mit „ / " getrennt) und achte auf die Reimwörter am Zeilenende. Wähle das richtige Reimschema und klicke auf Prüfen.

Richtig: 0 / 0

🔎 Aufgabe 2: Worum geht es – und mit welchen Mitteln?

Überlege zuerst selbst, dann decke die Lösungshilfe auf. Schreibe anschließend 2–3 Sätze: Worum geht es in dem Lied, und woran merkst du das?

💡 Sprachliche Mittel, die Walther benutzt
  • Thema Liebe: ein heimliches Treffen zweier Verliebter – erzählt aus der Sicht der jungen Frau.
  • Natur als Symbol: Die Linde ist der Baum der Liebenden, die Nachtigall der heimliche Zeuge. Die Natur spiegelt das Liebesglück.
  • Klangwort & Refrain: „tandaradî" ahmt den Vogelgesang nach (Lautmalerei) und kehrt im Lied wieder.
  • Reim & Rhythmus: Das Lied ist kunstvoll gereimt und wurde gesungen – darum klingt es so weich.
  • Anschauliche Bilder: „gebrochen Blumen und Gras" zeigt, ohne es direkt zu sagen, dass hier zwei Menschen gelegen haben.

💞 Aufgabe 3: Vergleich mit einem echten Gedicht

Hier ein berühmtes Liebesgedicht von Heinrich Heine (1797–1856) aus dem Jahr 1827. Lies es und vergleiche es mit Walthers Lied.

Du bist wie eine Blume – Heinrich Heine

Du bist wie eine Blume,
so hold und schön und rein;
ich schau dich an, und Wehmut
schleicht mir ins Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände
aufs Haupt dir legen sollt,
betend, dass Gott dich erhalte
so rein und schön und hold.

Findet zu zweit Gemeinsamkeiten und Unterschiede: